Flächenlage - Auf den Ernstfall vorbereitet

19. August 2021
Ausbildung
Der Landkreis Berchtesgadener Land war in den vergangenen Jahren regelmäßig von Unwetterereignissen betroffen. War es im Jahr 2019 die Schneekatastrophe oder im Jahr 2020 das Starkregenereignis im nördlichen Landkreis, traf es im Juli diesen Jahres den südlichen Landkreis. Nach starken Regenfällen kam es zu großflächigen Überflutungen, Murenabgängen und Hangrutschen. Bedauerlicherweise waren auch Todesopfer im Zusammenhang mit dem Unwetter am 17. Juli 2021 zu beklagen.

Für die Feuerwehren bedeuten Unwetterlagen immer Schwerstarbeit. Neben dem Einsatz einer Vielzahl von Helfern an den jeweiligen Schadensorten ist auch im Hintergrund zielgerichtete Führungsarbeit gefordert. Jedes Ereignis wird dabei zum Anlass genommen, die Vorplanungen im Nachgang immer wieder aufs Neue zu hinterfragen und weiter zu optimieren.

So kam es durchaus gelegen, dass ohnehin seitens der Kreisbrandinspektion eine Schulungsveranstaltung geplant war, die sich mit dem Führungsvorgang und der Einsatzplanung bei großflächigen Unwetterereignissen befassen sollte. In diesem Rahmen konnte auch der große Einsatz im Juli reflektiert werden.

An drei aufeinanderfolgenden Tagen wurden im August Kommandanten und Führungsgehilfen der Landkreisfeuerwehren an den drei Abschnittsführungsstellen in Ainring, Bad Reichenhall und Berchtesgaden geschult und zum Erfahrungsaustausch gebeten.

Im Rahmen dieser Veranstaltungen informierte Kreisbrandrat Josef Kaltner über die verschiedensten Einsatzwerte von Baumaschinen, die insbesondere bei Unwetterlagen wertvolle Dienste leisten können. Zudem stellte KBR Kaltner Hintergrundinformationen zum taktischen Vorgehen bei der Deichverteidigung und zu den verborgenen Gefahren beim Auspumpen von vollgelaufenen Kellern dar. Besonders das Thema "Auftrieb" von leeren Kellern mit einem darauf befindlichen Gebäude in Leichtbauweise bei gleichzeitig geländehohem Grundwasserstand gilt es künftig vermehrt zu beachten.

Kreisbrandinspektor Stefan Ufertinger ist hauptberuflich beim Wasserwirtschaftsamt tätig. Da lag es nahe, in einer Gesprächsrunde mit den Führungskräften der Feuerwehren die Schnittstellen zwischen Behörde und Feuerwehr vor Ort zu erläutern. Im Rahmen des Erfahrungsaustausches konnten Hintergrundinformationen zu Alarmierungs- und Kommunikationswegen sowie zu den grundsätzlichen Unterstützungsmöglichkeiten des Wasserwirtschaftsamtes gegeben werden.

Kreisbrandinspektor Anton Brandner stellte heraus, wie wichtig die kommunale Führungsebene bei großflächigen Schadensereignissen ist. Regelmäßige Lagemeldungen aus den Kommunen sind eine entscheidende Basis für die Arbeit der Führungsstäbe auf Abschnitts- und Landkreisebene. Diese Stäbe leisten zwar wertvolle Unterstützung, indem sie zusätzliche Einsatzmittel zuführen – koordiniert und eingewiesen werden die überörtlichen Kräfte dann aber auf der Ebene der Kommunen. Die Priorisierung von Einsätzen und das Treffen wichtiger Entscheidungen sind weitere Aufgaben, auf die sich die Städte und Gemeinden bei Extremwetterereignissen vorbereiten müssen. Die Anordnung und Durchführung von Evakuierungen wurde beispielhaft angeführt, um die Bedeutung einer gemeinsamen Einsatzleitung durch Feuerwehr und Politik/Verwaltung auf kommunaler Ebene zu veranschaulichen. Praxistipps zum Arbeitsablauf und zu einer klaren Aufteilung in die Bereiche Führung, Disposition und Führungsunterstützung rundeten diesen Ausbildungsteil ab.

Um den Informationsfluss von der betroffenen Kommune über die Abschnittsführungsstelle bis zur Katastrophenschutzbehörde im Landratsamt zu gewährleisten sind einheitliche Wege notwendig. Diese Wege sind vorab definiert und werden durch einheitliche Formulare unterstützt. Kreisbrandmeister Michael Brandl stellte den Schulungsteilnehmern den Formularsatz vor und gab Hinweise zur Befüllung der einzelnen Felder. KBM Brandl sensibilisierte die Teilnehmer dabei vor allem auf konkrete Angaben im Rahmen von Material- oder Personalanforderungen sowie die prägnante Darstellung von Einsatzschwerpunkten im Rahmen der regelmäßig zu übermittelnden Lagemeldung.

Stichwort Abschnittsführungsstelle: Bereits im Jahr 2016 wurde in Zusammenarbeit zwischen Kreisbrandinspektion und Landratsamt eine Führungsstruktur für Flächenlagen im Landkreis Berchtesgadener Land festgelegt. Den drei Abschnittsführungsstellen an den Feuerwehrgerätehäusern in Ainring, Bad Reichenhall und Berchtesgaden sind jeweils fünf Landkreisgemeinden zugeordnet. In den Abschnittsführungsstellen arbeiten besondere Führungsdienstgrade der Kreisbrandinspektion zusammen mit Führungsgehilfen in enger Abstimmung mit den Führungskräften der Feuerwehren des Zuständigkeitsbereichs. Zwischenzeitlich hat sich das System der Abschnittsführungsstellen bei mehreren Einsätzen bestens bewährt und wurde bereits auch von anderen Landkreisen umgesetzt.