Feuerwehrsymposium 2019

19. Januar 2019
Symposium
„Weiter so!“, „Tolle Vorträge!“, „Ausgezeichnete Referenten, klasse Veranstaltung!“ Auch die mittlerweile bereits elfte Auflage des Symposiums des Kreisfeuerwehrverbands Berchtesgadener Land war ein voller Erfolg. Sicher ein Verdienst der vier Referenten aus ganz Deutschland die zu aktuellen Themen im Feuerwehrwesen Stellung nahmen oder von interessanten Einsätzen berichteten. Die rund 250 Teilnehmer im voll besetzten Saal des Poststall in Teisendorf waren jedenfalls voll des Lobes.

Ein ganz normaler Feuerwehreinsatz, den man standardmäßig schnell in Griff haben würde. Das war die Erwartung der erstalarmierten Feuerwehrkräfte aus der 60.000-Einwohner-Stadt Hilden in Nordrhein-Westfalen. Aus verschiedenen Gründen erfüllte sich dies Einschätzung nicht. Ganz im Gegenteil eskalierte die Situation immer mehr und zwischenzeitlich wurden schon Planungen zur Evakuierung eines gesamten Stadtviertels angestellt. Soweit kam es zwar dann doch nicht ganz, dennoch nahm das Ereignis weiterhin einen dramatischen Verlauf: leider wurden drei Einsatzkräfte bei dem Großeinsatz schwer verletzt. Gründe jedenfalls genug um Hans Peter Kremer, Leiter der Feuerwehr der Stadt Hilden, einzuladen und ihn über die Geschehnisse berichten zu lassen.
 

Was war passiert? In einem sehr großen Gewerbeobjekt war in der Nacht ein Feuer ausgebrochen. Da das Gebäude in den Jahren zuvor mehrfach um- und ausgebaut worden war ergaben sich nicht nur gravierende Änderungen gegenüber der ursprünglichen Nutzung, auch die Zugänglichkeiten waren nicht mehr wie früher. Die Einsatzkräfte sahen also von außen das Feuer, wussten aber nicht was da brennt und wie man zum Feuer hinkommen könnte. Noch bevor man das alles erkunden konnte, kam es gänzlich unerwartet zu einer gigantischen Explosion, bei der die erwähnten drei Einsatzkräfte schwer bis schwerst verletzt wurden. Was die Sache noch deutlich verschlimmerte, war der Umstand, dass unter den drei Verletzten der Einsatzleiter war, der seiner Aufgabe selbstredend nun nicht mehr nachkommen konnte.

Durch die Explosion war zudem nicht nur das von Anfang an betroffene Gebäude teilweise eingestürzt und teils in Vollbrand, auch benachbarte Objekte standen nun in hellen Flammen, weitere, wie z. B. ein großes offenes Holzlager in unmittelbarer Nähe, waren stark bedroht.

Da zufällig ein Fernsehteam beim ursprünglichen Einsatz dabei war, konnte der Referent sehr eindrucksvolle Bilder des Einsatzes, insbesondere der Explosion zeigen. Wie sich später herausstellte waren mehrere Tonnen Lithiumbatterien explodiert und hatten für einen Feuerball gesorgt, der auf Grund der besonderen Eigenschaften und Inhaltsstoffe in den Batterien 28 Sekunden in der Luft stand. Da die deutsche Norm-Feuerwehrkleidung nur auf weitaus kürzer andauernde Stichflammen ausgelegt ist, war es eigentlich schon fast als Glück zu bezeichnen, dass die drei Verletzten überhaupt überlebten und es nicht noch weitere schwere Verletzungen gegeben hatte.

Dies und noch sehr viel mehr an Informationen und Details zu dem Einsatz zeigten bei den Symposiumsteilnehmern sichtlich Wirkung. Man war sich einig, dass es besser ist solche Erfahrungen nur in einem Symposium zu teilen und nicht am eigenen Leib erfahren zu müssen.

 

Tiefgaragen sind auch auf dem Land nichts außergewöhnliches, sie werden aber auch da tendenziell mehr und immer größer. Zudem handelt es sich nicht mehr nur wie früher um einfache Abstellplätze knapp unterhalb der Erdoberfläche. Im Fall von Duplex-, Triplex- oder vollautomatisierten Garagen können die Stellplätze teils sehr komplex technisierte Bauwerke sein. Im Fall eines Brandes könnten diese die Feuerwehren vor ungeahnte Probleme stellen. Auch mehrstöckige Ausführungen sind keine Zukunftsvision sondern Realität. Doch wie kommt man dann bei den erschwerten und stark verlängerten Angriffswegen am besten zum Feuer? Der Gesetzgeber hat dazu Regeln erlassen, mit denen Brandamtmann Richard Sammer von der Berufsfeuerwehr München seinen Vortrag zu diesem Thema begann. Das Wissen darüber ist nicht nur für den Planer solcher Objekte bindend, auch die Feuerwehr kann Nutzen daraus ziehen, wenn sie diese Regeln kennt. Richard Sammer beließ es aber natürlich nicht nur bei den rechtlichen Vorschriften. In der Landeshauptstadt gibt es riesige hochtechnisierte Tiefgaragen schon lange und man hat auch schon diverse praktische Einsatzerfahrung sammeln können. Der Referent berichtete in anschaulicher Weise mit vielen Bildern, Tipps und Tricks und wertvollen Hinweise, wie man denn am besten vorgeht und was es unbedingt zu beachten gilt. Ein eigentlich eher trockenes Thema, welches der Vortragende aber sehr kurzweilig und interessant vermitteln konnte.

 

In den Reigen der Vortagenden fügte sich Marcus Bätge aus Hamburg ein. Er ist Geschäftsführer der gemeinnützigen FeuerKrebs gUG. Mit einem sehr sensiblen und bisher oftmals nicht beachteten Thema animierte er die Zuhörer zum Umdenken. Feuerwehrleute nehmen im Einsatz toxische und karzinogene Stoffe über die ungeschützten Atemwege, aber auch über die offenen Poren der Haut auf. Durch zahlreiche repräsentative internationale Studien wurde nachgewiesen, dass bei Feuerwehrleuten das Risiko, an Krebs zu erkranken, bereits nach wenigen Jahren im Einsatzdienst auf bis zu 30 Prozent steigt. Dennoch wird Krebs in  Deutschland anders als zum Beispiel in Kanada nicht als Berufskrankheit anerkannt. Die Retter und ihre Familien werden mit den Folgen allein gelassen. Im Sommer 2016 entschlossen sich einige Feuerwehrleute, unter Ihnen Marcus Bätge, eine gemeinnützige Unternehmergesellschaft zu gründen, die sich dieser Problematik annimmt und nach Lösungen sucht, um die Einsatzkräfte abzusichern. „Wir wollen den Kolleginnen und Kollegen sowie ihren Familien unbürokratisch helfen und sie in ihrem Schicksal nicht alleine stehen lassen und dafür sorgen, dass es eine pauschale Anerkennung ausgewählter Krebserkrankungen als Berufskrankheit bei Feuerwehreinsatzkräften gibt oder alternativ dazu eine rechtliche Grundlage geschaffen wird, die eine Entschädigung möglich macht“, erklärt Marcus Bätge. In seinem Vortrag zeigte er eindrucksvoll die Gefahren durch die Kontamination mit Brandrauch auf. Auch die Gefahr der Verschleppung kleinster giftiger Partikel bis hin zum privaten Wohnumfeld regte viele Zuhörer zum Nachdenken an.

 

„Aus Fehlern lernt man!“ Diese These ist uns von Kindesbeinen an bekannt. „Erfahrung macht klug!“ Auch dieses Sprichwort kommt vielen von uns bekannt vor. Die Kunst des „Besserwerdens“ liegt oft darin, das eigene Vorgehen kritisch zu hinterfragen und gleichzeitig positive Ansätze auch für die Zukunft parat zu halten. Dipl.-Ing. Wiebke Thönißen von feuerwehrhandwerk.de warf in ihrem ersten von zwei Vorträgen verschiedene Fragen auf. Was läuft bei der Feuerwehr landläufig gut? Welche Fehler passieren immer wieder und sind eigentlich ganz leicht abzustellen? Wie kann man mit einfachen Mitteln viel erreichen? Was muss eine mit ausreichendem Gerät zum Erstangriff ausgestattete Feuerwehr mindestens abbilden können? Praxistipps auch aus dem „Feuerwehrhandwerk“ können meist mit einfachsten Mitteln umgesetzt werden und erleichtern die tägliche Feuerwehrarbeit. Genau diese Anregungen gab Wiebke Thönißen den Gästen des Symposiums mit auf den Weg.

 

Ihren zweiten Vortrag stellte Wiebke Thönißen unter die Überschrift „Gebäude lesen“. Ähnlich wie Richard Sammer stellte sie dabei rechtliche Hintergründe dar, aus denen Sie Handlungsempfehlungen für Feuerwehreinsätze ableitete. Die Referentin stellte den Zuhörern wichtige Anhaltspunkte darauf dar, mit welchen, den Brandverlauf beeinflussenden, Baustoffen in verschiedenen Gebäudeklassen zu rechnen ist. Oft kann diese Einordnung bereits beim Eintreffen an der Einsatzstelle anhand der Beurteilung des grob geschätzten Baujahres des Gebäudes vorgenommen werden. Ein einfaches Beispiel sind Treppen. Bei Gebäuden älteren Baujahres sind diese oft mit dem Baustoff Holz ausgeführt. Moderne Gebäude haben Treppen aus Stahlbeton. Für die Feuerwehr kann das vermeintlich simple Thema „Treppe“ aufgrund des verwendeten Baustoffs eine ganz entscheidende Wichtigkeit bekommen. Als am Brandobjekt ersteintreffende Feuerwehrführungskraft muss man möglicherweise schon anhand des Themas „Treppe“ grundlegende Entscheidungen über den Angriffsweg und somit auch über die Entwicklung des gesamten Feuerwehreinsatzes treffen. Wiebke Thönißen spannte den Bogen weit. Vom Einfamilienhaus über Passivhäuser bis hin zu Schulen und Industriebauten – sie gab den Zuhörern wertvolle Informationen an die Hand, die man an der Einsatzstelle besonders in den ersten Minuten im Hinterkopf haben sollte.

In seinem Schlusswort bedankte sich Kreisbrandrat Josef Kaltner bei den Referenten, allen an der Vorbereitung des Symposiums beteiligten und vor allem auch bei den interessierten Zuhörern.  Ehe er das Symposium 2019 beendete stellte er selbstverständlich eine Fortsetzung des Erfolgsprojekts „Feuerwehrsymposium“ im nächsten Jahr in Aussicht.

Bericht: Walter Niederbauer/KBM Michael Brandl