25 Jahre Kreisfeuerwehrverband Berchtesgadener Land

6. Oktober 2018
25 Jahre Kreisfeuerwehrverband Berchtesgadener Land – Festakt mit Rückblick in der Konzertrotunde

Der Kreisfeuerwehrverband (KFV) des Berchtesgadener Landes besteht seit 25 Jahren. Unter der Leitung des damaligen Landrates Martin Seidl war er am 06. Oktober 1993 im Haus des Gastes in Bayerisch Gmain gegründet worden. Auf den Tag genau lud der Verband unter Vorsitz von Kreisbrandrat Josef Kaltner am Samstag zu einem großen Jubiläumsabend in die Reichenhaller Konzertrotunde ein. Denn nach anfänglicher Skepsis hat sich herausgestellt, wie bedeutungsvoll die Verbandsarbeit ist. „Im Verband werden Bayernweite Standards festgelegt, er bildet eine fachliche Interessensvertretung“, unterstrich der stellvertretende Bezirksvorsitzende, Kreisbrandrat Dr. Rüdiger Sobotta in seinem Grußwort.

Im Kreisfeuerwehrverband sind die 22 Feuerwehren des Berchtesgadener Landkreises organisiert. Aus allen Wehren waren Delegationen zum Festakt in die Konzertrotunde gekommen. Die Landkreisbürgermeister, Vertreter anderer Hilfsorganisationen, Freunde aus der österreichischen Nachbarschaft und zahlreiche weitere Ehrengäste füllten die Reihen. So war es eine lange Liste an Namen, die Kreisbrandrat Josef Kaltner namentlich begrüßte, unter ihnen auch die beiden Ehrenkreisbrandräte Otto Blumenstein und Rudi Zeif. Otto Blumenstein war vor mehr als zwei Jahrzehnten nicht nur Kreisbrandrat im Berchtesgadener Land und federführend an der Gründung KFV beteiligt gewesen. Er war von 1983 bis 1986 stellvertretender Sprecher Oberbayerns und anschließend bis 1995 Sprecher der Feuerwehren Oberbayerns.

Am Beginn des Festakts stand das Gedenken an die verstorbenen Kameraden. Stadtpfarrer Markus Moderegger erinnerte dabei besonders an den ehemaligen stellvertretenden Kommandanten Hans Paukner der Feuerwehr Bischofswiesen und den Ehrenkommandanten aus Weißbach, Hans Edfelder, die erst kürzlich verstorben sind. Anschließend startete Kreisbrandrat Josef Kaltner seinen Rückblick in die Anfänge des Kreisfeuerwehrverbandes. Dabei holte er ein wenig weiter aus, und zeigte die Entwicklung des Feuerwehrwesens an sich auf. Im 18. Jahrhundert begann man in den Städten mit vorbeugenden Maßnahmen zur Verhinderung von Bränden so wurden  1775 bereits in Laufen Feuerspritzen angeschafft. 1781 trat eine in Bayern eine allgemeine Feuerordnung in Kraft, ein Vorläufer der heutigen „Verordnung über die Verhütung von Bränden.“ Interessant ist, dass damals bereits das Wort „Feuerbeschauer“ erwähnt wurde. Im Jahr 1834 erlebte Bad Reichenhall einen verheerenden Stadtbrand, bei dem rund 75 Prozent der Bebauung zerstört worden sind. Nach dem Brand wurde das Fazit gezogen, dass die Ausrüstung mit 14 Fahr- und Tragkraftspritzen sowie 30 Handspritzen durchaus ausreichend für die Brandbekämpfung gewesen wären. „Als ausschlaggebend für die Brandkatastrophe wurde vielmehr die fehlende Bedienmannschaft sowie das Nichtvorhandensein einer Kommandozentrale gesehen“ erinnerte der Kreisbrandrat. „Hier ziehe ich durchaus Parallelen zur Gegenwart. Denn die Tageseinsatzsicherheit und die Verfügbarkeit der Mannschaft ist die wichtigste  ‚Gerätschaft’ der Feuerwehr“ flocht Kaltner ein. Der Vorsitzende erinnerte daran, dass 1860 in Laufen die erste Feuerwehr im Landkreis gegründet worden ist. Weiter spannte er seinen historischen Rückblick in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg bis hin zur Änderung des Feuerwehrgesetzes im Jahr 1993. Bis dahin hatte es von 19951 bis 1993 Sprecher aus den bayerischen Wehren gegeben, die die Widergründung des Landesfeuerwehrverbandes anstrebten. Dieser wurde schließlich am 09. Oktober 1993 aus der Taufe gehoben. „Der drei Tage zuvor gegründete Kreisfeuerwehrverband Berchtesgadener Land gehört somit zu den sieben Oberbayerischen Gründungsmitgliedern“ erinnerte Kaltner. In einer Bilderschau, die Kreisbrandmeister Michael Brandl unter Mithilfe der Landkreiswehren erstellt hat, zeigte er das breite Aufgabenspektrum auf, das von den Einsatzkräften gefordert wird. In Fotodokumenten wurde an Großbrandeinsätze, an die Herausforderungen nach Stürmen und Überflutungen erinnert. Katastrophenfälle wie Waldbrände am Thumsee oder der Einsturz der Reichenhaller Eishalle machten die Ausmaße von gravierenden Unglücksfällen deutlich. Ein breiter Rahmen der Bilderschau war auch dem Bereich „Ausbildung und Schulungen“ gewidmet. Denn nicht nur die Bewerkstellung der Aufgaben der Gegenwart, vor allem der Blick in die Zukunft und die sich damit wandelnden Herausforderungen sind ein maßgeblicher Punkt beim Kreisfeuerwehrverband. Das stellte auch Kreisbrandrat Josef Kaltner nochmals deutlich heraus. „Das Thema Tagesalarmsicherheit wird uns zunehmend beschäftigen. Dieses Thema passt hinein in den Strukturwandel des Einsatzspektrums. Die spektakulären Brand- und Hilfeleistungseinsätze werden zahlenmäßig abnehmen, wir müssen aber trotzdem dafür gerüstet sein, denn eins ist sicher: Brand- und sonstige Unglücksfälle wird es immer geben.“ Kaltner weiter: „Der nicht zu leugnende Klimawandel mit seinen Auswirkungen wird uns vermehrt beschäftigen. Hier gilt es, sich im Katastrophenschutz noch besser aufzustellen“.

Im Rahmen des Festakts wurden verschiedene Kameraden für ihre langjährigen Dienste ausgezeichnet.

Dass ehrenamtliches Feuerwehrwesen nur dann funktioniert, wenn sich engagierte Bürgerinnen und Bürger für die Sicherheit der Allgemeinbevölkerung einsetzen, dass zeigte sich einmal mehr beim Jubiläumsabend anlässlich des 25jährigen Bestehens des Kreisfeuerwehrverbandes Berchtesgadener Land.

Eine Überraschung erlebte dabei Landrat Georg Grabner. Er wurde mit der Ehrennadel in Gold des Kreisfeuerwehrverbandes ausgezeichnet. Kreisbrandrat Josef Kaltner würdigte Grabners Verdienste in den vergangenen 16 Jahren seiner Amtszeit. „Er hat sich stets um die Belange und um die Weiterentwicklung der Feuerwehren im Landkreis eingesetzt. Ein personell gut ausgestalteter Verwaltungsbereich für den Brand- und Katastrophenschutz, die zur Verfügung Stellung der notwendigen finanziellen Mittel und ein stets kollegiales Miteinander zeichnen seine Amtsführung besonders aus. Bei den eher zahlreichen Katastrophen im Landkreis hat er sich stets als besonnener aber auch wenn notwendig tatkräftig entscheidender Landrat, immerhin der oberste Einsatzleiter im Katastrophenfall, dargestellt“ würdigte der Kreisbrandrat. „Ich tue doch nur meine Pflicht“, meinte Grabner diesbezüglich und fügte hinzu: „Aber die Überraschung ist euch gelungen“. Ein weiteres Feuerwehrehrenzeichen in Gold, diesmal vom Freistaat Bayern, gab es für den Ehrenkreisbrandrat Rudi Zeif. Er wurde für 40 Jahre aktive Dienstzeit ausgezeichnet. Zeif war erster Vorsitzender und Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Ainring, Gründungsmitglied des Kreisfeuerwehrverbandes und seit dessen Gründung 1993 bis 2013 Mitglied des Verbandsvorstandes, davon 18 Jahre als Verbandsvorsitzender. Zeif war von 1995 bis 2013 Kreisbrandrat des Berchtesgadener Landes, wurde zum Ehrenkreisbrandrat ernannt und ist heute Fachbereichsleiter für die Brandschutzerziehung. Welche Bedeutung die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Feuerwehren in Bezug auf die Jugendarbeit hat, das zeigte sich durch die Auszeichnung von Oberbrandrat Johannes Neuhofer. Kreisjugendwart Christian Burr hielt die Laudatio und sprach in erster Linie die Nachwuchsgenerierung an. „Es ist kein Problem, junge Leute zu finden die bei der Feuerwehr vorbeischauen. Wichtig ist, sie zu halten. Sie wollen gefordert und gefördert werden“, sagte Burr. Deswegen habe es sich als vorteilhaft erwiesen, dass ein gut funktionierendes Netzwerk mit den Flachgauer Nachbarn aufgebaut werden konnte. So werden beispielsweise grenzüberschreitenden Ausbildungen und Wissenstests durchgeführt. Stellvertretend für alle Funktionäre erhielt der Salzburger Oberbrandrat die Ehrung von bayerischer Seite, die Jugendmedaille der Jugendfeuerwehr Berchtesgadener Land. Kreisbrandmeister Michael Brandl würdigte anschließend die Verdienste des Ainringer Kameraden Bernhard Hasenöhrl, der sich vorbildlich für die Atemschutzausbildung auf Landkreisebene einsetzt. „Mit Zuverlässigkeit, hoher Fachkompetenz und viel positiver Ausstrahlung führt er sein Amt aus“, unterstrich Brandl und überreichte die Ehrennadel in Silber des Kreisfeuerwehrverbandes für 10jährige Tätigkeit auf Kreisebene. Seit 20 Jahren ist Hasenöhrl in seiner Heimatfeuerwehr Ainring nicht nur im Bereich Atemschutz sondern auch auf Führungsebene im Einsatz. Grußworte dürfen an einem Jubiläumsabend nicht fehlen. Landrat Georg Grabner nutzte als erster die Gelegenheit, um den Feuerwehrkameraden für ihre Einsatzbereitschaft zu danken. „Ihr erfüllt eine klassische Pflichtaufgabe der Gemeinden. Ihr seid eine tatkräftige, professionelle und hilfskräftige Gemeinschaft. Dafür möchte ich euch im Namen des Landkreises, der Bürgerinnen und Bürger und persönlich ein herzliches Vergelt’s Gott sagen“, unterstrich der Landrat. In Vertretung für alle 15 Landkreisbürgermeister übermittelte Reichenhalls Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner herzliche Grußworte. „Wir sind mächtig stolz auf unsere Feuerwehren im Berchtesgadener Land“, lobte Lackner. Welche Wertstellung und Gewichtung die Verbandsarbeit hat, das unterstrich der stellvertretende Vorsitzende des Bezirksfeuerwehrverbandes Oberbayern, Dr. Rüdiger Sobotta.

Text: Maria Horn